Neues vom Alten Rathaus

Im Anschluss an die HV informierte Olaf Schulze über neue Erkenntnisse, die während der Renovierung des Cannstatter Rathauses erhoben wurden. Die begleitenden, bauhistorischen Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Großteil der Fachwerkkonstruktion aus der Zeit von 1492/93 noch gut erhalten ist. Bedauerlicherweise nicht am Gesamtgebäude sondern lediglich in einem Fenster zum Marktplatz hin ist dies sichtbar. Ursprünglich diente der öffentliche Zweckbau aus dem späten Mittelalter als Speicher, Zollstelle, Handelsplatz und Bühne für fahrendes Volk. Ein früheres Rathaus wird an der Örtlichkeit des Erbsenbrunnens vermutet. Mitte des 19. JH wurde die Verwaltung am jetzigen Ort etabliert. Das Gebäude verfügte über einen Erker zur Stadtkirche hin und einen Saal im 1. Stock zur Marktstraße gelegen. Dessen gusseiserne Säulen sind noch erhalten. Nicht mehr vorhanden sind die Reliefs und Portraits bedeutender Persönlichkeiten und gekrönter Häupter. In dieser „Guten Stube“ Cannstatts fanden repräsentative Veranstaltungen sowie rauschende Feste statt. Es wurde Gericht gehalten, der Rat tagte bis zur Vereinigung mit Stuttgart 1905. Er diente als Standesamt, etwa für die Eltern von Albert Einstein. Überlegungen, den Saal wieder in der historischen Ausgestaltung erstehen zu lassen, kamen zu spät und fielen einer nüchternen Raumplanung zum Opfer. Auf dem Dach im Türmchen über dem Rathaus hängt eine profane Glocke aus dem Jahr 1250, wohl für Benachrichtigung der Bevölkerung genutzt. Anschaulich und kurzweilig berichtet Olaf Schulze in seinem Stadtrundgang mit Bildern von rund zwei Dutzend Gebäuden in Cannstatt, die ähnlichen Datums oder noch älter als das Rathaus sind. Dass der Marktplatz früher üppiger bebaut war und deshalb Rückfronten bietet und in Cannstatt noch Manches zu entdecken ist.

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