Bericht von der Hauptversammlung 2015

Herzlich begrüßte der 1. Vorsitzende Werner Hornung die Mitglieder und Gäste des Vereins im Gemeindesaal der Stephanuskirche. In seinem Rechenschaftsbericht nahm er die aktuellen Fragestellungen im Stadtbezirk auf. Das Thema zunehmende, wilde Vermüllung der Stadt entfachte eine lebhafte Diskussion, ausgelöst durch Presseberichte und die persönlichen Erfahrungen zahlreicher Mitglieder. Weshalb, so fragt Hornung, sollte es nicht auch in Bad Cannstatt möglich sein, dass sich Schulen, Vereine oder Nachbarschaften zu gemeinsamen Aktionen verabredeten, um ihre unmittelbare Umgebung sauber zu halten. Man werde mit einem entsprechenden Vorschlag an das Bezirksamt herantreten mit dem Verweis auf das seit Jahren erfolgreiche Beispiel „let`s putz“ in Untertürkheim. Wer sich für die kontinuierliche Entwicklung des Stadtbezirks engagieren wolle, müsse seine Stimme dauerhaft erheben und nicht nur dann, wenn die Politik vor Wahlen den Bürger wieder einmal „neu entdecke“.

Der 2. Vorsitzende Reinhard Staib berichtete u. a. aus seiner Arbeit im VCV-Vorstand. So können die traditionellen Kurparkkonzerte nur mit einer Ausnahmegenehmigung stattfinden, das geplante Musikprogramm der Kursaalgastronomie falle dagegen wegen Beschwerden aus dem Kreis der Anwohner komplett aus. Der sog. Welt-Weihnachts-Markt sei auf vielfache Kritik gestoßen, werde in der bisherigen Form wohl nicht mehr durchgeführt und fällt 2015 aus. Die Veranstalter bemühten sich um eine Verlagerung und Zusammenführung auf dem Marktplatz. Dagegen wehrten sich bislang vehement die Marktbeschicker. Außerdem solle der Cannstatter Marktplatz mit einem in der Fläche eingelassenen und befahrbaren Fontänenbrunnen belebt und verschönert werden. Angesichts einiger still gelegter oder vernachlässigter Brunnenanlagen im Stadtbezirk stellt sich die Frage, ob dies der Weisheit letzter Schluss ist. Bürgerbeteiligung und eine „Politik des Gehörtwerdens“ steht hoch im Kurs. So geht der Rückkauf der Villa Berg durch die Stadt und die weitere Gestaltung des Parks mit dem beachtlichen Engagement einer Bürgerinitiative einher. Der Bürgerverein beteilige sich am Projekt „Zukunft Bad Cannstatt – Ein Prozess der Annäherung“, das von Dietrich Haaf vom Vorstand der Grünen und Mitglied des BV initiiert worden ist: Wie könnte Bad Cannstatt im Jahr 2030 aussehen, wie seine Schönheit und Bedeutung zurück gewinnen?

Schnell waren die Regularien abgehandelt. Nach der Entlastung des Vorstands wurden die zur Wahl stehenden Amtsträger ohne Gegenstimmen bestätigt. Anschließend berichtete Eberhard Köngeter mit Lichtbildern über die Konstellationen und bündnispolitischen Überlegungen zu Zeiten von Kaiser Ludwig (der Bayer), die zur Stadterhebung des Bauern- und Fischerflecken zu Chanelstat im Jahr 1330 führten. Graf Ulrich III. erweiterte durch seine Bündnis- und Heiratspolitik geschickt die regionale Bedeutung des Hauses Württemberg. Weit spannt der Referent den Bogen geschichtlicher Betrachtung vom Cannstatter Blutgericht, der Ablösung der Alemannen durch die Franken über Hildegard, der dritten Gattin Karls des Großen, die dem ewig umherziehenden Kriegsherrn neun Kinder gebar, bis zur Einhards-Basilika von Michelstadt-Steinbach, einem Prototyp der Vorgängerkirche unserer heutigen Stadtkirche. Manches unbekannte Detail aus der Cannstatter Geschichte erfuhren die aufmerksamen Zuhörer und erhielten die Bedeutung in größerem Zusammenhang nahe gebracht. Reinhard Staib

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