Über 40 Jahre bürgerschaftliches Engagement: Zur Geschichte des Bürgervereins Bad Cannstatt e. V.

Wieder begründet im Jahr 1972 durch Herrn Prof. Dr. Theo Melber startete der Cannstatter Bürgerverein e. V. eigentlich als eine Bürgerinitiative gegen die geplanten Hochhaus-Bauvorhaben im Gebiet Sommerrain. Es war die Zeit der Trabantenstädte der Neuen Heimat mit ihren, alle gesunden Maßstäbe sprengenden Dimensionen, der Baueuphorie der späten 60er Jahre und den gewaltigen Betonburgen, die in einem oft sterilen Einheitslook die Landschaft verschandelten. Dagegen setzten sich unmittelbar betroffene Bürger ebenso zur Wehr, wie solche Mitstreiter, denen am Gemeinwohl gelegen war. Sie wollten eine frühzeitige Information und Beteiligung bei planerischen Vorhaben der Stadt erreichen und ihre Kompetenzen und Erfahrungen in den Fragen der Stadtentwicklung und -gestaltung einbringen können. Dies sollte in Gesprächen mit der Verwaltung, den politischen Gremien wie Gemeinderat und Bezirksbeirat sowie im Dialog mit den politischen Parteien erfolgen.

Mit erheblichem Engagement und großer Sachkunde widmete sich der Bürgerverein in den Folgejahren verkehrlichen Fragen wie dem Ausbau der B 312, der Entlastung der Waiblinger und der Nürnberger Straße. Für die Gestaltung des Augsburger Platzes wurde eigens eine Tangentenlösung entwickelt, die Wilhelmakreuzung, der Rosensteintunnel und Verbesserungen für die Schönestraße standen im Fokus der Bemühungen. Der Bürgerverein beteiligte sich an der Einbahnstraßenregelung für die Cannstatter Altstadt, Überlegungen zur Ausgestaltung der Einkaufsmeile zum Cannstatter Carré sowie seit Jahrzehnten am Dauerbrenner Umgestaltung des Cannstatter Marktplatzes.

Nach Prof. Dr. Theo Melber führte Eberhard Rich den Bürgerverein zwischen 1982 bis 2004. Neben den Bemühungen um die geschichtlich wertvolle Bausubstanz etwa beim Wilhelmatheater, dem Kursaalensemble und den historischen Brunnen, galt der Einsatz des Vereins besonders dem Neubau des Cannstatter Mineralbads und Kurzentrums am Kurpark, verwirklicht durch ein Vereinsmitglied, den Architekten Wilfried Beck-Erlang, der sich damit ein bleibendes Zeichen der Erinnerung setzte.

Mit seinem laufenden Besichtigungsprogramm bietet der Bürgerverein Mitgliedern und Gästen die Möglichkeit, sich über die technischen Anlagen zu informieren, die für die Funktion einer Großstadt von Bedeutung sind. Neben der Schleusentechnik am Neckar, dem Klärwerk Mühlhausen war auch schon das Kraftwerk Münster, die Landeswasserversorgung oder der Betriebshof der Stuttgarter Straßenbahnen Ziel fachorientierter Exkursionen. Die Staatliche Münze, das Landeskriminalamt oder der SWR galten als ebenso besuchenswert wie die Firmen Daimler, Mahle oder die Kaffeerösterei Hochland in Degerloch.

Unter der Führung von Werner Hornung widmet sich der Bürgerverein seit 2005 u. a. verstärkt den Aspekten einer städtebaulichen Gestaltung in Orten mit historischer Substanz. Anschauung bieten Besuche in Fellbach, Bietigheim und Kirchheim/Teck. Erinnert wird an Persönlichkeiten, die in Cannstatt wirkten wie den Bildhauer Emil Kiemlen, Ferdinand Freiligrath oder Dr. Hans Bayer (Thaddäus Troll). Die in Cannstatt schreibende Autorin Anita Konstandin präsentierte ihre mit viel Lokalkolorit liebenswert und lebendig gestalteten Werke.

Der Bürgerverein ist gut vernetzt in der Arbeitsgemeinschaft Stuttgarter Bürgervereine ASB, der Vereinigung Cannstatter Vereine VCV und engagiert sich kooperativ für die Ziele von Cultur in Cannstatt. Er ist das Forum für alle, die sich für die Erhaltung und weitere Ausgestaltung eines lebenswerten und liebenswerten Stadtbezirks Bad Cannstatt einsetzen.

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